{"id":9695,"date":"2026-03-11T16:26:30","date_gmt":"2026-03-11T15:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/aagy.de\/?p=9695"},"modified":"2026-03-11T16:26:32","modified_gmt":"2026-03-11T15:26:32","slug":"kindheitserinnerungen-und-mahnende-worte-zeitzeugen-berichten-aag-schuelern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aagy.de\/?p=9695","title":{"rendered":"Kindheitserinnerungen und mahnende Worte \u2013 Zeitzeugen berichten AAG-Sch\u00fclern"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align:justify\">Gespannte Stille herrschte in der B\u00f6nnigheimer Turn- und Festhalle als alle 9. Klassen des Alfred-Amann-Gymnasiums einen zweist\u00fcndigen Geschichtsunterricht der besonderen Art erhielten. Drei Zeitzeugen aus B\u00f6nnigheim und Hofen berichteten von ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg und machten das vergangene Grauen f\u00fcr die jungen Zuh\u00f6rer auf eindr\u00fcckliche Weise greifbar. \u201eDie Vergangenheit darf nicht vergessen werden \u2013 umso wichtiger ist es, dass es heute noch Zeitzeugen gibt, die davon berichten k\u00f6nnen\u201c, wies Schulleiter Achim Salomon bei seiner Begr\u00fc\u00dfung auf die Bedeutung der Veranstaltung hin. <\/p>\n<p>Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft B\u00f6nnigheim, gestaltete den Vormittag gemeinsam mit den Zeitzeugen Wilhelm K\u00f6lle, Eberhard Gr\u00fcnenwald und Rolf Schube. Diese berichteten von ihren Kindheitserinnerungen und ihrem Leben in B\u00f6nnigheim und Umgebung w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges. Sartorius erg\u00e4nzte die Erz\u00e4hlungen durch Bild- und Filmmaterial aus seiner Ausstellung \u201eB\u00f6nnigheim unter dem Hakenkreuz\u201c. Dabei zeigte er auch Fotos von franz\u00f6sischen Soldaten in der Heimatstadt sowie einen Wahlzettel aus dem Jahr 1936, auf dem nur noch eine Partei zur Wahl stand. Besonders eindr\u00fccklich verdeutlichte eine \u00dcbungskeule f\u00fcr den Weitwurf im Schulunterricht, die optisch einer Handgranate nachempfunden war, die gezielte Vorbereitung der Jugend auf den Krieg.<\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1-Sartorius.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1-Sartorius.jpg\" style=\"width: 19%; margin:2px 2px 2px 0px\"><\/a><a href=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2-Gruenenwald.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2-Gruenenwald.jpg\" style=\"width: 19%; margin:2px 2px 2px 2px\"><\/a><a href=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/3-Schube.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/3-Schube.jpg\" style=\"width: 33%; margin:2px 2px 2px 2px\"><\/a><a href=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/4-Koelle.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aagy.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/4-Koelle.jpg\" style=\"width: 19%; margin:2px 0px 2px 2px\"><\/a><br \/>\n<small><em>v.l.n.r.: Kurt Sartorius sowie die Zeitzeugen Eberhard Gr\u00fcnenwald, Rolf Schube und Wilhelm K\u00f6lle.<\/small><\/em><\/center><\/p>\n<p>In ihren Erz\u00e4hlungen griffen die Zeitzeugen immer wieder den Bezug zur Gegenwart auf. Wilhelm K\u00f6lle, der 1941 geboren wurde und seine Erinnerungen in einem Buch zusammengestellt hat, betonte, wer das Leben des Opas nicht kenne, k\u00f6nne die eigene Jugend nicht bewerten. Sein eigener Vater wurde kurz nach seiner Geburt eingezogen. Die Erziehung, die er auch nach dem Krieg erhalten habe, sei von SS-Strukturen stark gepr\u00e4gt gewesen: \u201eGehorsam, Gehorsam, Gehorsam und Ordnung.\u201c Mit Blick auf die Gegenwart appellierte er an die aufmerksamen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, stets ehrlich zu sein. Es geh\u00f6re zum Menschsein dazu, Fehler zu machen. Wichtig sei aber, dass man diese auch zugeben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Auch Eberhard Gr\u00fcnenwald sprach die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in seinem Vortrag direkt an und bat diese, sich an ihre eigene Einschulungsfeier zu erinnern, die f\u00fcr viele eine Art Meilenstein in ihrer Erinnerung darstellt. Er selbst wurde 1942 mitten im Krieg eingeschult und das ganz ohne Feierlichkeiten. Immer wieder wurde der Alltag damals von Luftangriffen durch von den Kindern als \u201eRotschw\u00e4nzle\u201c bezeichneten Kriegsflugzeuge \u00fcberschattet. So habe er einen Flugzeugabsturz eines Soldaten beobachtet, der im Anschluss gefangen genommen wurde. <\/p>\n<p>Rolf Schube berichtete von einem Tieffliegerangriff, bei dem er sogar den Oberlippenbart des Piloten hinter dem Steuer erkannt habe. Dieser m\u00fcsse laut Schube gesehen haben, dass Kinder auf der Stra\u00dfe spielten, w\u00e4hrend er das Feuer er\u00f6ffnete. F\u00fcr G\u00e4nsehaut sorgte zudem die Erz\u00e4hlung einer Reise nach Dresden, die Schube mit seiner Mutter noch im Jahr 1945 unternahm. In einem Fl\u00fcchtlingszug voller M\u00fctter und Kinder wurden sie von einem Tieffliegeralarm \u00fcberrascht und mussten sich in einen Bunker retten. Nach dem Ende des Alarms entdeckte er ein Kind, mit dem er kurz zuvor noch gespielt hatte. Es hatte den Angriff nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Im Anschluss durften die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Fragen stellen. Vor allem m\u00f6gliches damaliges Wissen der Zeitzeugen \u00fcber den Holocaust besch\u00e4ftigte die Jugendlichen sehr. Der Vortrag half den Sch\u00fclern, Geschichte erlebbar zu machen und eine zutiefst menschliche Perspektive auf die Geschehnisse zu gewinnen. Wie wichtig es ist, vor der Vergangenheit nicht die Augen zu verschlie\u00dfen, um nicht blind f\u00fcr die Gegenwart zu werden, betonte auch der stellvertretende Schulleiter Sven Schmitt in seinen abschlie\u00dfenden Dankesworten an die Redner. Bevor die Sch\u00fcler die Halle verlie\u00dfen, richteten die Zeitzeugen einen letzten eindringlichen Wunsch an sie: den Erhalt von Frieden und Freiheit f\u00fcr alle Menschen.<\/p>\n<p>In K\u00fcrze brechen die neunten Klassen des AAG zum Sch\u00fcleraustausch nach Frankreich auf. Die Bedeutung solcher nach dem Krieg vereinbarter Partnerschaften und des damit verbundenen kulturellen Austausches in Europa wurde ihnen durch diese Veranstaltung nochmals deutlich vor Augen gef\u00fchrt.\n<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align:right\">Sp\/Kl<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespannte Stille herrschte in der B\u00f6nnigheimer Turn- und Festhalle als alle 9. Klassen des Alfred-Amann-Gymnasiums einen zweist\u00fcndigen Geschichtsunterricht der besonderen Art erhielten. 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